Ein starkes Duo

22.06.22

Seit 1. Mai 2022 wird das Franks von einer weiblichen Doppelspitze geführt: Cora Bethke-Frank und Mara Frank teilen sich die Geschäftsführung des Hotels. Robert Frank ist nach 28 erfolgreichen Jahren ausgeschieden und natürlich noch beratend im Familienbetrieb tätig.  Im Interview erzählen Mutter und Tochter vom Generationswechsel, der Begeisterung für den Beruf, den Herausforderungen der Branche und der Bedeutung der Gastfreundschaft.

Das Interview erschien am 04. Juni 2022 in der Allgäuer Zeitung und wurde von Michael Mang geführt.


Wann stand fest, dass Sie in die Geschäftsführung einsteigen werden?
Mara Frank: Eigentlich stand es schon fest als ich Teenager war – weil es mit der Formel-1-Karriere nichts geworden ist, die ich als Kind immer angestrebt hatte (lacht). Dann habe ich gesagt, ich will ins Hotel und habe auch meine Ausbildung darauf ausgerichtet. Im Sommer 2020 als ich noch in der Eifel gearbeitet habe, stand dann endgültig fest, dass ich heimkomme.
Cora Bethke-Frank: Sie hat schon als Kind gesagt: Irgendwann mache ich einmal das Hotel. Und sie war schon immer sehr zielstrebig, egal ob in der Schule, Ausbildung oder im Studium.
Mara Frank: Mit 14 Jahren bin ich dann schon Freitag und Samstag ans Getränke-Buffet gegangen. Das hat mir Spaß gemacht.

Aber dennoch haben Sie zunächst in anderen Häusern und Unternehmen gearbeitet?
Mara Frank: Wenn ich schon mit Anfang 20 eingestiegen wäre, hätte ich mich selbst nicht ernst genommen. Ich wäre so verunsichert gewesen, weil ich noch nichts hatte, worauf ich mich berufen konnte. Es gehört in der Hotellerie dazu, dass man andere Häuser, Ideen, Chefs, Kollegen und Situationen kennenlernt. 

Wie haben Sie den Generationswechsel vorbereitet?
Cora Bethke-Frank: Wir haben die Corona-Zeit genutzt, um uns mit der Familie zusammenzusetzen. Wir lassen uns in der Übergangsphase auch von einer Beratungsfirma begleiten. Und haben schon 2020 angefangen einen Fünf-Jahres-Plan aufzustellen, wie die Übergabe stattfinden kann. Das wurde mit Daten hinterlegt, Einzelgespräche geführt und es gibt Ausstiegsklauseln. Mara hat natürlich die Chance, noch einmal auszusteigen. In drei Jahren werde ich dann auch aus- und Maras Bruder Robert in die Geschäftsführung einsteigen. 

Wie haben Sie es geschafft, dass Ihre Kinder auch Interesse daran haben, in der Hotellerie zu arbeiten?
Mara Frank: Das ist meinen Eltern gelungen, in dem Sie uns nicht unter Druck gesetzt haben. Vielleicht liegt es auch ein bisschen in den Genen, weil wir auch Menschen mögen.
Cora Bethke-Frank: Mein Mann und ich haben dieses Hotel immer zu unserer Freude geführt und uns dabei immer gesagt: Wenn es uns Spaß macht, macht es entweder einem unserer Kinder ebenfalls Spaß oder aber einem Pächter oder Käufer. Das war die Grundvoraussetzung. Aber wir haben auch immer versucht unseren Kindern, die Freude an dem Beruf weiterzugeben, obwohl sie natürlich gesehen haben, dass wir viel gearbeitet haben. Aber es ist ja auch eine wunderbare Branche mit so vielen Menschen umgehen zu dürfen und sie glücklich zu machen. 

Aber dennoch haben Sie als Kinder ja schon erlebt, dass man auch an Wochenenden, an Weihnachten und an Silvester arbeiten muss?
Mara Frank: Ich kenne es ja gar nicht anders. Ich habe nie das Gefühl gehabt, ich vermisse irgendetwas oder habe dadurch viele Nachteile. Hatte ich ja auch nie.
Cora Bethke-Frank: Mich hat es auch nie gestört. Es ist auch ein falsches Denken, dass nur die zwei freien Tage am Wochenende glücklich machen können.

Wie war es in den vergangenen beiden Jahren, als sie die wohl größte Krise des Tourismus erleben mussten. Haben Sie in dieser Zeit begonnen, an ihrem Berufswunsch zu zweifeln?
Mara Frank: Das hat mich in meiner Entscheidung gar nicht beeinträchtigt. Vielleicht auch mit einer Portion Naivität in dem festen Glauben, dass es schon irgendwie weitergehen wird. Ich war natürlich auch im permanenten Austausch mit meinen Eltern, die einen gewissen Optimismus verbreitet haben.

Haben Sie sich in der Zeit Sorgen gemacht?
Cora Bethke-Frank: Es war eine harte Zeit für uns. Aber das schlimmste war, die fehlende Planbarkeit. Diese Perspektivlosigkeit, weil wir von der Politik völlig alleingelassen wurden.

Hatten Sie jemals Bedenken, ihre Tochter in dieser Zeit die Verantwortung zu übergeben?
Cora Bethke-Frank: Nein. Ich hätte mir Sorgen gemacht, wenn der Betrieb nicht auf sicheren Beinen gestanden hätte. Wir haben keinen Investitionsstau was Zimmer, Küche und Technik anbelangt. Wir erzeugen 80 Prozent unserer Energie regenerativ selbst. Es wäre anderes gewesen, wenn wir gerade hohe Kredite aufgenommen hätten und nicht gewusst hätten, wie wir sie zurückzahlen sollen.

Ihre Eltern haben das Hotel aufgebaut und zu einem erfolgreichen Unternehmen gemacht. Was wollen Sie dennoch anders machen?
Mara Frank: Für mich privat habe ich mir vorgenommen, nicht ganz so viel wie meine Eltern zu arbeiten. Ich versuche, mir auch zwei Tage die Woche freizunehmen, was mir bisher noch nicht so gelingt (lacht). Ich bin digitaler unterwegs und ich würde gerne eine andere Struktur aufbauen. Nicht verändern will ich die Herzlichkeit und Gastfreundschaft.

Was können Sie von den Eltern lernen?
Mara Frank: Gelassenheit. Die habe ich manchmal noch nicht.
Cora Bethke-Frank: Aber die kommt mit der Zeit. Ich plane meinen Tag beispielsweise nach 30 Jahren Hotelleben immer nur bis zur Hälfte, weil ich weiß, irgendetwas passiert immer. Beispielsweise, dass ein Gast Hilfe braucht oder man an der Rezeption einspringen muss. Aber wir stehen nicht irgendwo am Fließband, sondern arbeiten mit Menschen.

Wo sehen Sie die Herausforderungen der Zukunft?
Mara Frank: Je wilder die Welt wird, desto mehr müssen wir versuchen, mit dem Haus ein Rückzugsort zu sein. Hier ist noch so etwas wie eine heile Welt und das wird künftig eine Rolle spielen.
Cora Bethke-Frank: Das Thema Nachhaltigkeit wird immer wichtiger. Das ist eine Chance für Oberstdorf, dass von der Lage her prädestiniert ist. In unserem Haus sind wir glücklicherweise gut aufgestellt, weil mein Mann sich schon vor 30 Jahren damit beschäftigt hat. Wir haben Photovoltaik auf dem Dach, kaufen schon lange in der Region ein, haben das golden Umweltsiegel – als einer von wenigen Betrieben in Bayern. Wir haben uns nach den Kriterien der Gemeinwohl-Ökonomie zertifizieren lassen. Das hat sehr viel mit Nachhaltigkeit, aber auch mit dem Hinterfragen von Lieferketten und mit Gleichbehandlung der Mitarbeiter zu tun.

Ist es leichter dem Fachkräftemangel in der Branche zu begegnen, weil es attraktiv ist in Oberstdorf zu leben und zu arbeiten?
Mara Frank: Wenn es auch noch bezahlbar wäre, hier zu leben, wäre es sicher ein Faktor. Aber das ist leider noch nicht der Fall.
Cora Bethke-Frank: Deshalb haben wir im Haus Personalzimmer und in Oberstdorf 12 Wohnungen für Mitarbeiter angemietet. Aber es ist noch nicht genug. Wir müssen aber vor allem Menschen finden, die im Geist und im Herzen zu uns passen. Dann haben wir auch die Möglichkeit, Ihnen etwas beizubringen. Wenn das Herz fehlt, ist es schwierig.

Gelingt es noch Menschen für den Beruf zu begeistern?
Mara Frank: Total. Ich bin begeistert von dem Job und das kann man auch spüren. Ich verändere mich schon, wenn ich hier reingehe. Weil ich das hier liebe und so kann ich es auch rüberbringen.

Was ist das Schönste an diesem Beruf?
Mara Frank: Jetzt sage nicht die Arbeit mit Menschen, das ist zu abgedroschen. Was den Beruf ausmacht, ist die Abwechslung, gepaart mit dem schönen Feedback, das man von den Gästen bekommt. Ich kann hier zwölf Stunden sein und abends trotzdem hinaus schweben.

Welchen Fehler darf Ihre Tochter nicht machen?
Cora Bethke-Frank: Ich muss meine Tochter nicht warnen. Sie ist sehr gut ausgebildet und kann sehr viel, hat aber auch für sich das Gespür, was ihr guttut und was ihr nicht guttut. Gelassenheit, dass man es sich nicht so zu Herzen nimmt, wenn mal etwas schiefgeht und es nicht zu persönlich nimmt. Und natürlich werde ich raten: Wenn Du die Zeit findest, geh. Man kann hier 24 Stunden arbeiten und wird trotzdem nie fertig.