Gelebte Traditionen im Allgäu

10.08.22

Wer verreist, möchte etwas erleben – so viel ist sicher. Von sportlichen Ambitionen über erholsame Momente, das Sammeln vieler neuer Eindrücke oder kulturelle Besonderheiten der Region, das Allgäu kann hier auf allen Ebenen punkten. Reizvoll für viele unserer Gäste sind Oberstdorfer Traditionen und alpines Brauchtum, das hier übers Jahr gepflegt und entdeckt werden kann. Wir haben für Sie ein paar Highlights zusammengefasst.

Ganzjährig: Allgäuer Tracht
Gleich doppelt traditionell: In Oberstdorf gibt es zwei verschiedene regional verwurzelte Trachten, beide natürlich im Kern bestehend aus Lederhosen und Dirndl.

Die Gebirgstracht aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist die etwas rustikalere Version: Die Männer tragen dabei kurze Lederhosen mit grüner Stickerei und grünen Trägern, dazu eine schlichte graue Tuchjacke. Die Dirndl sind an eine frühere Werktagstracht angelehnt und wird durch eine silberne Miederkette veredelt, dazu wird eine ebenfalls grüne Schürze getragen.

Bei der historischen Tracht setzt die Farbe Rot Akzente: Zu einer schwarzen Bundlederhose tragen die Männer rote Hosenträger, schwarze Jacken und Kopfbedeckungen. Die Frauentracht hat ein rotes Mieder, die schwarzen langen Dirndlröcke einen roten Besatz. Unverheiratete tragen dazu eine schön verzierte Kopfbedeckung, die so genannte Reginahaube.

Mehr zur Oberstdorfer Tracht erfahren Sie hier:
https://www.trachtenverein-oberstdorf.de/gruppen.html
https://www.heimweh.blog/oberstdorf/zwei-trachten.html

Februar: Funkenfeuer
Mit dem Funkenfeuer, einem Brauch aus dem alemannischen Raum, wird der Winter im Allgäu ausgetrieben. Traditionell sammeln junge Leute in den Dörfern zwischen Dreikönigstag und Aschermittwoch alte Weihnachtsbäume und sonstiges Brennmaterial. Das trockene Holz wird zu einem hohen Haufen geschichtet. Hoch oben ragt eine Strohpuppe heraus, die sogenannte Funkenhexe. Am ersten Fastensonntag wird der Holzstapel dann entzündet. Bei Glühwein und Funkenküchle, auch als „Ausgezogene“ bekannt, fliegen die Funken. Übrigens: Nur wenn die Hexe brennt, verzieht sich der Winter auch wirklich!

Mehr dazu erfahren Sie auch hier:
https://www.wir-oberstdorfer.de/erleben/brauchtum/funkensonntag.html

Mai: Maibaum
Der Maibaum – ein geschmückter Baum oder Baumstamm – wird traditionell entweder am 1. Mai oder auch schon am Vorabend zum 1. Mai aufgestellt. Der Brauch hat seinen Ursprung bei den alten Germanen und deren Verehrung diverser Waldgottheiten, wurde später dann aber auch mit christlichen Pfingstbräuchen vermischt.

In vielen Gegenden, besonders in Baden-Württemberg, Bayern und Österreich, wird der Baumstamm feierlich auf dem Dorfplatz aufgerichtet. Den Stamm schmücken bemalte Schilder mit Motiven der ortsansässigen Handwerker oder Vereinswappen. Mancherorts wird der Maibaum noch mit Muskelkraft vieler kräftiger Männer hochgezogen. Nach der anstrengenden und nicht ganz ungefährlichen Arbeit freuen sich sowohl die Aufsteller als auch die Besucher auf zünftige Maibaumfeste mit traditioneller Blasmusik und einem frisch gebrautem Maibockbier.

Gut zu wissen: Der einzige Maibaum in Oberstdorf wird am 1. Mai mit Live-Musik und Brotzeit im Garten des Franks aufgestellt. Als Gast sitzen Sie da in der ersten Reihe!

Juni – Oktober: Wilde Mändle Tanz
Zwölf, als wilde Männer verkleidete Tänzer führen einen Huldigungs- und Fruchtbarkeitstanz auf: Der Wilde-Mändle-Tanz, der nur in Oberstdorf und da auch nur alle fünf Jahre stattfindet, ist der älteste deutsche Kulttanz.

Kurz zum Hintergrund: Als die Pest 1648 in Oberstdorf über 800 Menschen das Leben kostete, tanzten ein paar Burschen in Verkleidung durchs Dorf, um etwas Hoffnung zu verbreiten. Ein paar Tage später wiederholten sie das und weil keiner der Tänzer fehlte, war das ein gutes Zeichen dafür, dass die Pest vielleicht doch zu besiegen war – ein schöner Moment, an den man sich seitdem gern erinnerte.
Seit dem Jahre 1901 wird der Wilde-Mändle-Tanz vom Gebirgstrachten- und Heimatschutzverein Oberstdorf aufgeführt. Ein besonderes Highlight ist dabei auch die Kleidung der Tänzer, die allesamt aus eingesessenen Oberstdorfer Familien stammen: Gehüllt in Tannenbart und Moosflechte tragen die Männer einen Gürtel aus frischem Tannenreisig und auf dem Kopf einen Kranz aus Stechpalmenblättern.

Mehr dazu erfahren Sie auch hier:
https://www.trachtenverein-oberstdorf.de/wilde-maendle.html

Für 2023 ist wieder eine Aufführung geplant!

September: Viehscheid
Jedes Jahr im September steht eine jahrhundertealte Tradition an: der Viehscheid. Nach dem Bergsommer werden Kühe und Jungvieh von den Hirten ins Tal getrieben und ihren Besitzern übergeben. Der Oberstdorfer Viehscheid gilt als "Feiertag der Bauern", wenn alles gut gegangen ist. Wenn kein Tier auf der Alm ernsthaft zu Schaden gekommen ist, werden die Kühe geputzt und geschmückt und alles für die Heimkehr vorbereitet. Am schönsten ist das sogenannte "Kranzrind", das mit üppigem Kopfschmuck aus Blumen und Spiegeln versehen wird.

In Volksfest-Atmosphäre verfolgen rund 20.000 Besucher am Oberstdorfer Scheidplatz im Ried die Rückkehr des Viehs von den Hochalpen und beobachten, wie etwa 1.000 Tiere nach der Sommerfrische auf den Alpen zurück ins Tal kommen. Ein echtes Traditionsereignis, das man unbedingt einmal erlebt haben sollte – und das auch im Franks jedes Jahr fest im Kalender steht.

Mehr dazu erfahren Sie auch hier:
https://www.oberstdorf.de/aktuell/veranstaltungen/viehscheid.html

Dezember: Klausentreiben
Nichts für Schreckhafte: Nach diesem uralten Brauch aus keltischer Zeit ziehen 6. Dezember die wilden Klausen durch die Straßen und Gassen von Oberstdorf. Weil in den langen, dunklen Winternächten die Furcht vor bösen Geistern groß war, kleideten sich mutige junge Burschen in Fell und Leder, setzten sich Tierköpfe oder Kappen mit Hirschgeweihen oder Ochsenhörnern auf und zogen laut johlend mit Schellen- und Kettengerassel los, um die Nachtgeister zu vertreiben. Bis heute hat sich diese Tradition gehalten – anstelle der Geister werden heute aber eher vorwitzige Zuschauer gejagt. Oder, wie in unserem Fall, vorwitzige Gäste: Die Klausen machen auch die Lobby des Franks jedes Jahr unsicher.

Mehr dazu erfahren Sie auch hier:
https://www.suedallgaeu.de/brauchtum/klausen-baerbeletreiben.html

Dezember / Januar: Rauhnächte
Was heute für uns eher eine „stade Zeit“ ist, war früher mit einer Menge altem Volksglauben und übersinnlichen Vorkommnissen verbunden. In den Rauhnächten, die zwischen 21. Dezember und 6. Januar stattfinden, verschwammen die Grenzen zwischen dem Diesseits und dem Jenseits. Zahlreiche Sagen von übernatürlichen Vorkommnissen und Gestalten, die vor allem zu dieser Jahreszeit beobachtet wurden, sind bis heute überliefert.

Traditionell werden im Allgäu daher in den Rauhnächten immer noch die Häuser und Ställe geräuchert. In kleinen Schalen verbrennt man Weihrauch und verschiedene Kräuter. Zweck des Räucherns ist dabei neben der spirituellen auch eine reinigende Wirkung. Denn der Rauch der verglimmenden Kräuter kann desinfizierend wirken. Dieses Ritual hält sein ein paar Jahren auch heute in den Rauhnächten wieder Einzug: Man verabschiedet das alte Jahr und begrüßt das Neue mit guten Gedanken und einem offenen Geist.

Mehr dazu erfahren Sie auch hier:
https://www.heimweh.blog/oberstdorf/die-rauhnaechte.html